Dreck­iges Gold

In Deutschlands Handelsstatistik finden sich nicht nur hohe Exporte von Autokarosserien und Elektronikartikeln. Firmen und Länder handeln auch begeistert mit Wertstoffen, die sich im Haus- und Industriemüll finden...

One man's trash is another man's treasure



Bauabfälle, Chemikalien aber auch Siedlungsabfälle und Fäkalschlamm finden sich in der grenzüberschreitenden Abfallstatistik des Umweltbundesamts und des Amts für Statistik. Der zufolge exportieren und importieren deutsche Deponien und Firmen tonnenweise Müll über die Grenzen, vor allem an europäische Nachbarländer. Denn wer im Dreck wühlt, der findet wertvolle Kleinteile und Rohstoffe aus Technik, Industrie und dem alltäglichen gelben Sack.
Abnehmer gibt es für fast alles, sogar für Fäkalschlamm aus der Kläranlage. Was der eine wegwirft, ist dem anderen ein wahrer Schatz. Auffällig ist, dass der sonstige Exportweltmeister Deutschland sehr viel mehr Abfall ein- als ausführt: Fast das Doppelte!


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Abfallabnehmer sind vor allem Deutschlands Nachbarn: Fast 1,6 Millionen Tonnen der Müllexporte 2015 gingen allein an die Niederlande. Der Großteil des Rests verteilt sich auf die südlich an Deutschland angrenzenden Staaten. Das ist auch kein Wunder, denn den meisten Müll exportiert nach NRW das im Süden liegende Bundesland Baden-Württemberg.
Doch auch nach Übersee geht deutscher Müll: Knapp 6000 Tonnen wurden letztes Jahr an nicht-europäische Länder wie die USA, Japan und Südafrika geschifft.
Ein Export im Abfallhandel darf allerdings nicht einem Gewinn gleichgesetzt werden: Einige Abfälle überschreiten die Grenzen nur, um dem nächsten Schritt der Verwertungskette zugeführt zu werden. In solchen Fällen bekommt der Abnehmer etwas gezahlt, der Export ist im Portemmonaie also ein Minusgeschäft. Ein Beispiel sind Klär- und Fäkalschlämme, die laut der Statistik aus Bayern nach Österreich gehen. Der simple Grund: Eine grenznahe bayrische Kläranlage. Von dort aus kann der Schlamm schneller nach Österreich als zur nächsten Verwertungsstation in Deutschland gebracht werden.


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Doch nicht jede Müllsorte ist begehrt. Exportiert werden Überbleibsel von Verbrennungsanlagen, Holz, Steine und Beton, aber auch gemischte Siedlungsabfälle und Schlacke aus der Stahlindustrie. 15,7 Prozent des Imports machen brennbare Abfälle aus, die Deutschlands leistungsstarke Verbrennungsanlagen auslasten sollen. Auch einige Gefahrenstoffe stehen auf der Einkaufsliste.
Dass grenznaher Müllausstausch in die Handelsstatistik eingeht ist eine Erklärung dafür, dass einige Stoffe sowohl importiert als auch exportiert werden, statt zuerst den Bedarf im eigenen Land abzudecken.


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So unterschiedlich die Abfälle, so unterschiedlich sind auch die Verwendungszwecke, die in der Statistik des Umweltbundesamts angegeben werden. Die Exporte aus Deutschland dienen anderen Ländern hauptsächlich zur Verwendung organischer und anorganischer Stoffe, wie sie zum Beispiel in Industriemüll und Klärschlamm vorkommen.
In Deutschland sind 2,7 Millionen Tonnen der importierten Abfälle für die Verbrennung vorgesehen, erst dann folgt die Verwertung anorganischer Stoffe mit 1,2 Millionen Tonnen. Nicht nur zur Auslastung der Verbrennungsanlagen, auch, um die Müllverbrennung anzufachen. Denn durch das Recyclingbewusstsein der Bürger fehlt den Anlagen das Plastik als Brandgarant für schlecht brennbaren Müll wie beispielsweise Windeln. In der Schweiz müssen Betriebe deshalb teilweise schon Palmöl als Brandbeschleuniger verheizen.


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Was die Statistik nicht erfasst sind illegale Mülltransporte, die laut der europäischen Kommission in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Dabei handelt es sich mutmaßlich meist um gefährliche Stoffe, deren Transport genehmigt und genau beaufsichtigt werden muss.

Autor

Marie-Louise Timcke

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